Journal: Werner Waas about his experience with Fabulamundi

We publish a journal written by Werner Waas about his experience with Fabulamundi.

September 2015
Auf Werbetour durch die 9. und 10. Klassen des Albert Einstein Gymnasiums in Berlin. Fühle mich wie ein Waschmittelvertreter, der für seine Marke wirbt. Es macht Spass! Theater macht Spass! Richtig so…. Man platzt irgendwo hinein, wo man gar nicht dazu passt und hat 5 Minuten Zeit, um über Terrorismus, Fabulamundi, Theater und Workshop zu reden, mit dem Ziel möglichst viele Teilnehmer zu ergattern. Mein Eindruck ist: die Jugendlichen sind extrem verwöhnt mit Angeboten, sind überrollt mit Projektvorschlägen, AG´s, keiner hat Zeit für irgendwas, am wenigsten für sich selbst, schon in der Schule! Irgendwas stimmt da nicht.

Oktober
Erstes Treffen. Es ist soweit. Heute ist erster Workshoptag, gemeinsam mit Frau Wilde, der Deutschlehrerin. Ich überrasche mich dabei, wie ich beim reden über den deutschen Terrorismus der 70er jahre jedes Wort auf die Goldwaage lege. In Italien hätte ich das nicht getan. Mächtiger Eindruck von Präsenz einer staatlichen Institution, die Lehrerin nickt interessiert. Fast 20 Schüler sind gekommen, das Thema interessiert viele, zum Teil arbeiten sie schon in anderen Fächern daran.

Zweites Treffen. Die Szenen, die sie im Vorfeld mit der Lehrerin erarbeitet haben werden vorgestellt: Obitorio – Obduktion der Leiche Ulrikes. Wir schauen uns gemeinsam die Szenen an, reden darüber, wiederholen das eine oder andere etwas abgeändert. Es macht Spass, aber wir haben viel zu wenig Zeit zum Ausprobieren, schon ist der Tag vorbei.

Ich habe verschiedene Texte verteilt, die Schüler sollen sich aussuchen, woran sie arbeiten wollen. Wir teilen uns in Gruppen auf. Jede Gruppe wird von einem Schauspieler aus dem Ensemble betreut. Die Schüler verstehen es, selbstständig zu arbeiten. Ich bin überrascht: sie kennen sich mit inneren Räumen aus, haben den Mut zur Abstraktion. Wir machen grosse Fortschritte.

Der Blick der Schüler auf das Thema ist ungezwungen. Viel ungezwungener als meiner. Sie wirken frei, auch ganz unideologisch. Heimlich frage ich mich, ob das nun positiv oder negativ zu bewerten sei.

Die Szenen heute sind interessant. Manche Lösungen werde ich mir merken. Die Aufsplittung von Schleyer in verschiedene Charaktere beispielsweise.

Zur Abwechslung spielen wir heute etwas vor. Es entwickelt sich sowas wie eine offene Probe. Lesung mit Publikum und Diskussion, alles offen, transparent.

Als Abschluss verlangen die Schüler eine Szene von uns. Sie wollen nochmal zuschauen. Wir spielen die Szene Schmidt- Siad Barre. Aber bevor es eigentlich wirklich losgeht, ist der Workshop zu Ende. Keine Zeit für gar nichts.

November
Jetzt sind die „Alten“ dran. Die Werbung lief in Zusammenarbeit mit dem Theater der Erfahrungen (Nachbarschaftsheim Schöneberg), Berliner Seniorentheater, das mehrere Laientheatergruppen in Berlin betreut und eigene Theaterstücke entwickelt.  4 sind gekommen, besser als nichts. Ich rede über unsere Erfahrung mit den Jugendlichen. Die Alten haben den Text gelesen, sind sehr perplex, was die Sprache angeht, aber auch den ideologischen Hintergrund. Ich versuche zu erklären, ich spüre, dass wir uns beim Erklären symphatisch werden. Ich schlage vor, einfach mit dem Ensemble zu proben. Es klappt wunderbar: kein falsches Theater, es sind Lebensexperten, die klar zu lesen verstehen und lesend bemerken, was sie da eigentlich sagen und sich bei dieser Entdeckung zusehen lassen – fantastisch! Ich frage sie, ob sie nicht bei der Aufführung mitmachen wollen… zwei stimmen zu … na dann! Sie spielen bei den Veranstaltungen des Stückes mit.

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