Steinbuch Gerhild

1983 in Mödling (Österreich) geboren, studierte Szenisches Schreiben in Graz (Abschluss 2006) und im Master Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch”, Berlin (Abschluss 2016). Sie arbeitet als Autorin für Sprech- und Musiktheater, freie Dramaturgin sowie als Übersetzerin aus dem Englischen.
2003 gewann Gerhild Steinbuch den Stückewettbewerb der Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin mit „kopftot“. Seither erhielt sie diverse Literaturstipendien und Preise, u.a das Stipendium für NachwuchsautorInnen der Hermann-Lenz-Stiftung, den Literaturförderungspreis der Zeitschrift manuskripte und das Staatsstipendium des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Sie nahm an den Werkstatttagen des Wiener Burgtheaters, an der Summer School des Royal Court Theatre, London und am Ingeborg-Bachmann-Preis teil, wurde mit dem Autorenpreis der 4. Deutsch-Französischen Autorentage ausgezeichnet und war Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude, der Autorenwerkstatt Prosa am Literarischen Colloqium Berlin und des Autorenlabor am Schauspiel Frankfurt.
Gerhild Steinbuchs Stücke werden vom Rowohlt Theater Verlag vertreten. Für die Berliner Schaubühne übersetzte sie u.a.  „Die Gelbe Tapete“ von Charlotte Perkins Gilman (2013) und „Ophelias Zimmer“  von Alice Birch (2015), die beide in der Regie von Katie Mitchell uraufgeführt wurden. 2016 arbeitete Gerhild Steinbuch unter der Leitung von Philipp Becker als Dramaturgin für die „Tellspiele Altdorf“.
2016/17 wurde sie mit dem Hannsmann-Poethen-Stipendium der Landeshauptstadt Stuttgart ausgezeichnet. Die daraus entstandene musikalische Performance wurde im Februar 2017 beim ECLAT Festival für Neue Musik uraufgeführt. Ihre gemeinsam mit Laura Linnenbaum entwickelte Theaterarbeit „Beate Uwe Uwe Selfie Klick“ zum NSU und zur Europäischen Rechten wurde 2017 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Derzeit arbeitet sie an einem Auftrag für die Deutsche Oper Berlin / Münchener Biennale für Musiktheater, der 2018 uraufgeführt wird.
Gerhild Steinbuch unterrichtet an der Universität für angewandte Kunst in Wien und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie ist Gründungsmitglied von „Nazis &Goldmund“, einer Autor innenallianz gegen die Europäische Rechte: www.nazisundgoldmund.net

MS POCAHONTAS
Pocahontas, Version 1: Eine schöne Frau trifft in der Wildnis auf einen weitgereisten Fremden. Nichts verbindet sie, nichts darf sie verbinden, aber ihre Liebe überwindet die Kluft zwischen ihren Völkern.
Pocahontas, Version 2: Ein elfjähriges Mädchen wird von einer Gruppe brutaler Eroberer überfallen, vergewaltigt und entführt; ihr Volk wird unterworfen, ihre Heimat zerstört.
Geschichte wird von Siegern geschrieben, Geschichten gerne von Disney – und die Besatzung von Gerhild Steinbuchs schon etwas marodem Schiff Pocahontas gibt sich, mit Farbeimerchen und Pinseln ausgestattet, redlich Mühe, ihre Geschichte in möglichst bunten Farben publikumsgerecht zu übermalen. Doch bald stellt sie fest, dass das Bewahren eines positiven Selbstbildes harte Arbeit ist: «Kaum hat man mal was Schönes in die Welt gestellt, suppt postwendend das Grauen durch.» Vor allem, wenn die Welt sich weiterdreht und man mit den Folgen der Schönfärberei konfrontiert wird. Plötzlich sehen die Protagonisten Boote auf die eigenen Küsten zusteuern, bis zum Rand gefüllt mit Menschen, die Schutz und Hilfe suchen. Und Angst und Abwehr setzen ein, während man sich gleichzeitig überschwänglich selbst versichert, auf der Seite der Guten zu sein.
Besetzung: variabel
Aufführungsrechte: Rowohlt theaterverlag
World premiere: 17. 05. 2015, Schauspiel Frankfurt
Director: Laura Linnenbaum

GUTE GESTÄNDNISSE BESSERER MENSCHEN
Unter der Woche quält sich der Mensch kläglich durch die eigene Existenz, schleicht morgens aus der verrottenden Wohnung ins Büro, ist seinen Mitmenschen eine Zumutung und erträgt sich selbst dabei kaum. Sonntags aber geht er in den Wald, wie alle anderen, in Freizeitkleidung, mit Apfel Thermoskanne, Butterbrot. Denn der Wald ist ein gesellschaftlich akzeptiertes Ausflugsziel; hier wird der Mensch zur Kreatur, hier fallen die Fassaden, die Natur bricht sich Bahn. Das Wissen um die eigene Erbärmlichkeit, stumm erduldete Demütigungen, Stumpfheit und Ödnis, sie alle zählen nicht mehr, wenn man gemeinsam auf die Jagd geht, wenn der Gegner vor einem steht, wenn Fleisch auf Fleisch trifft, und der erste Knochen bricht.
Gute Geständnisse besserer Menschen steigt hinab in die Abgründe des Alltäglichen. Wie in einem Vexierspiegel erscheinen diese Durchschnittsmenschen mitleiderregend und monströs zugleich: Ihr Verlangen ist unstillbar, jede ihrer Liebkosungen ein Übergriff. Immer weiter zieht die Schlinge zwischen Sehnsucht, Einsamkeit, Gewalt sich zu – bis im Wald Täter und Opfer, Zärtlichkeit und Brutalität endlich in eins fallen dürfen.
Besetzung: variabel
Aufführungsrechte: rowohlt theaterverlag