Bernhard Studlar

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Beinahe genauso lange wie ich als Autor arbeite, engagiere ich mich auch in Projekten, bei denen es um die Zusammenarbeit zwischen und die Förderung von Autor*innen geht. Ich habe vor 25 Jahren „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste (UdK) in Berlin studiert und dort meinen Schweizer Kollegen Andreas Sauter kennengerlernt, mit dem ich seitdem Theaterstücke in Co-Autorenschaft schreibe. Wahrscheinlich bin ich einfach nicht gerne allein 😉 Aber ganz im Ernst, den Austausch untereinander, das Gespräch mit Kolleg*innen empfinde ich stets als Anregung und Bereicherung. Diesen Austausch auf europäischer Ebene im Rahmen von Fabulamundi fortzuführen, ist ein Privileg, ist gelebte Solidarität und macht zudem großen Spaß. (Zumindest manches Mal.)  Waren es bei der letzten Ausgabe dieses Projekts die Grenzen, die wir überwinden wollten, so geht es diesmal um die Förderung und Entdeckung neuer Stimmen. Diese „New Voices“ möchte ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung so gut wie möglich unterstützen. Es geht mir darum, mit jungen Kolleg*innen, die noch am Anfang ihres Schreibens stehen in Dialog zu treten. Seien es konkrete Fragen zu ihren Texten oder ganz allgemeine über das Leben und das Schreiben für die Bühne. Es geht mir darum, Möglichkeiten zu bieten und im besten Falle neue (Denk)Räume zu öffnen.  Was bedeutet es, für die Bühne zu schreiben? – Sich als Künstler oder Autor selbst zu hinterfragen ist eine „never ending story“. Neugierig bin ich selbstverständlich auch auf meine europäischen Kolleg*innen der Fab-Community, auf ihre Erfahrungen und unsere gemeinsamen Überlegungen und Ideen.

Bernhard Studlar

Geboren 1972 in Wien, studierte von 1991-96 Theaterwissenschaft, Philosophie, Germanistik und Publizistik an der Universität Wien. Während dieser Zeit besuchte er mehrere Klassen der Schule für Dichtung in Wien. Unter anderem bei H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Allen Ginsberg und Blixa Bargeld.Zwischen 1995 und 1998 war er Dramaturg und Regieassistent am Theater der Jugend in Wien.1998-2002 folgte das Studium „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste (UdK) Berlin.2001 gewann Bernhard Studlar mit „Transdanubia-Dreaming“ den Preis des Heidelberger Stückemarkts, uraufgeführt wurde das Stück 2003 am Burgtheater Wien. Seitdem ist er als freischaffender Autor tätig. Es folgten Auftragsarbeiten für das Wiener Burgtheater: „Mariedl Kantine“, eine Hommage an Werner Schwab, und „Zwischentöne“. Weiters schrieb er Stücke für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg („Spieltrieb“, „Me and You and the EU“), das Schauspielhaus Graz („Sonne, Wolke, Amerika“) und das Schauspielhaus Wien.2017 hatte sein Stück „Nacht ohne Sterne“, ein Auftragswerk des Slowakischen Nationaltheaters Bratislava, ebendort seine Uraufführung und wurde am Theater Kosmos in Bregenz sowie am Schauspiel Leipzig nachgespielt.2020 wurde er für sein Stück „Lohn der Nacht“ mit dem Preis der österreichischen Theaterallianz ausgezeichnet. Das Stück wurde im Rahmen der Bregenzer Festspiele 2021 in der Regie von Jana Vetten uraufgeführt.

Für junges Publikum (ab 3 Jahren) verfasste er eine „Trilogie des Staunens“, bestehend aus den Stücken „Um die Ecke“, „Bis später“ und „Mahlzeit“. Weiters bearbeitete mehrere klassische Stoffe für Kinder ab 10 Jahren, u.a. „Parzival“, „Don Quijote“ und „Robinson Crusoe“. Sein letztes Kinderstück „Megafad“ wurde 2021 am Theater Erlangen uraufgeführt und zum renommierten Festival „Kinderstücke“ nach Mülheim eingeladen.

Bernhard Studlar schreibt Theaterstücke und Hörspiele sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Seine Texte wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und von Theatern in Europa aufgeführt.

Directing & Teaching

Bereits kurz nach Beendigung seines Studiums begann Bernhard Studlar sich in verschiedenen Bereichen für Gegenwartsdramatik zu engagieren und kann mittlerweile auf mehr als 20 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet verweisen. Er arbeitete als Dramaturg, Mentor und Regisseur im deutschsprachigen Raum u.a. bei den Werkstatttagen am Burgtheater Wien, am Staatstheater Stuttgart oder dem Theater Neumarkt in Zürich. Von 2004 bis 2014 war er Länderpate für das Festival „Neue Stücke aus Europa/New Plays from Europe“ in Wiesbaden.

Er konzipierte diverse „Co-writing“ Projekte und unterrichtete szenisches Schreiben als Gastdozent an der UdK Berlin und am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Auf internationaler Ebene leitete er Workshops mit jungen Autor*innen am Goethe Institut in Istanbul, am Teatr Dramatyczny Warschau und bei der Summerschool Südtirol. Von 2017 bis 2020 war für das EU-Projekt „Fabulamundi. Playwriting Europe“ tätig.

Me and You and the EU
Kleine Grenzerfahrungen (Fun & Horror)
Der Ort, an dem die Geschichte spielt, ist eine Utopie: Das „Kafejo Europo“. Karoline, der Kardinal und der Kellner sitzen dort und träumen von Veränderung. Sie warten auf das Neue Europa, sehnsüchtig, alptraumartig und in der Regel musikalisch. Sie glauben, dass es für die Menschen immer schwieriger wird, sich zurechtzufinden. Ganz egal ob an einer Straßenkreuzung, einem Grenzübergang oder in der eigenen Wohnung. Das Stück handelt vom Verlust von Sicherheit und der Sehnsucht dreier Menschen danach, irgendwo anzukommen.
Besetzung: 1 D, 2 H
Uraufführung 2006, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie Roger Vontobel
Aufführungsrechte: henschel Schauspiel Theaterverlag, Berlin

Nacht ohne Sterne
Eine Stadt, irgendwo in Europa. Die Wege ihrer Bewohner kreuzen oder trennen sich für immer in dieser sternlosen Nacht. Ständig heulen die Sirenen, auf den Straßen wird demonstriert. Zwei Männer werden getötet, einer im Theater, einer auf der Straße; ein Dritter, todkrank, stürzt sich aus dem Fenster. Es geht um Spielschulden und Schuldgefühle, um Existenzängste und die Sehnsucht nach ein wenig Glück und Sicherheit. Eine Schauspielerin mit Engelsflügeln rettet den einen und verlässt den anderen, eine Ärztin opfert sich im Beruf auf, ein Mädchen treibt ziellos durch die Straßen. Der Tod gesellt sich zu ihr, gibt ihr den Abschiedsbrief ihres Vaters. Er weiß als Einziger immer was zu tun ist, erledigt seine Arbeit effizient und professionell. Spät (zu spät) treffen in der Bar a nox die Figuren aufeinander. Betrunken wandeln sie über den Friedhof ihrer Träume.
„Nacht ohne Sterne“ erzählt vom Dünnerwerden der Zivilisationsdecke in einer Zeit, in der terroristische Gewalt und soziale Ungleichheit Populisten aller Couleurs in die Hände spielen.
Besetzung: 5 D, 5 H
Uraufführung 2017, Slowakisches Nationaltheater Bratislava, Regie Jan Luteran
Übersetzung ins Slowakische liegt vor.
Aufführungsrechte: henschel Schauspiel Theaterverlag, Berlin

Die Ermüdeten oder Das Etwas, das wir sind

Sie sind Nichtraucher, sie trinken Bio-Bier und sie bauen ihr Gemüse selbst an. Sie sind Paare, Singles oder Eltern. Sie sind in der Mitte ihres Lebens angekommen. Gebrandmarkt als Generation Golf, als Null-Bock-Generation, sind sie die Kindeskinder der Nachkriegskinder, die Kinder der Hippies und der verspießten Kleinbürger. Sie feilen an ihren Karrieren oder an ihren Investmentfonds. Sie pflegen ihre bürgerlichen linksliberalen Weltanschauungen und ihre Selbstfindungstrips. Sie leben bodenständig und funktionstüchtig. Oder auch prekär und trotzdem traumlos. Und jetzt treffen sie sich endlich mal wieder, auf einer Party, mit ausnahmsweise auch mal alkoholischen Getränken, auf einer Dachterrasse hoch über der Stadt. Die Kinder sind im Bett, das Kindermädchen instruiert und doch will der geplante ausgelassene Abend irgendwie nicht so recht gelingen. Für immer jung, schon steinalt. Prost! Und am Ende noch ein Erinnerungsfoto. Es gibt zwar nichts zu feiern, trotzdem schön, dass ihr alle da seid.

New Voices

Drama Lab 2024

Edition 2017-2020

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